So werden wir im Alltag unbewusst manipuliert.

Jeden Tag werden wir ohne unser Wissen manipuliert. Egal ob in Restaurants, beim Autofahren oder im Netz. Unser Handeln und/oder unsere Aufmerksamkeit wird passiv gesteuert, um ein gewünschtes Verhalten hervorzurufen. Diese Art der Beeinflussung nennt man Nudging und wird von vielen Personen und Unternehmen erfolgreich angewendet.
Aber was ist Nudging überhaupt?
Auf der Internetseite http://www.gedankennahrung.de wird es als ein „leichtes Schubsen“ bezeichnet. Dieses soll ein gewünschtes Verhalten erzeugen, um Personen auf eine vorhersehbare Weise zu beeinflussen, ohne dass dabei ökonomische Reize verändert werden. Dementsprechend fungiert Nudging auf psychologischer Ebene.
Dieses Prinzip wurde von Richard Thaler einem Wirtschaftswissenschaftler und Professor der Universität von Chicago beschrieben.
Laut Thaler ist der Mensch, hingegen der Annahme vieler, kein Homo Oeconomicus, welcher stetig rational und komplett informiert handelt. Viel mehr ist er ein „Wesen mit Hang zu (aus volkswirtschaftlicher Perspektive) fehlerhaftem Verhalten“(1). Den, wie er es nennt: Humans.
Das würde auch erklären wieso Nudging funktioniert. Somit ist nach seiner Definition „jeder Faktor, der das Verhalten von Humans signifikant verändert, während er von Econs (Homo Oeconomicus) ignoriert würde, ein Nudge.“(1)
Bekannte Beispiele für Nudging in unserem Alltag, sind unter anderem die Plakate des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur an der Autobahn.
Diese Bilder sollen uns unbewusst animieren vorsichtiger und aufmerksamer zu fahren, indem sie durch kleine Impulse, wie z.B. der auf dem Bild abgebildete Kuss wirken, indem sie uns an Liebe und Wohlgefühl erinnern sollen.
                                      „http://www.lto.de/fileadmin/_migrated/tx_ltoartikel/lass_dir_zeit_535.jpg“ (17.6.2016)
 
Aber auch die Digitaltechnik findet für Nudging diverse Verwendungszwecke.
Einer davon ist zum Beispiel in der Data Analytics-Methode. Dabei werden Informationen gesammelt, analysiert und schließlich ausgewertet. Anschließend könnte nun, wenn erwünscht, ein Ergebnis zukünftig mithilfe eines Nudges verändert werden. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist ein Auto, welches das Fahrverhalten des Fahrers aufnimmt, verarbeitet und ihm ein Feedback in Form eines Smileys wiedergibt, auf welches dieser entsprechend reagiert. Aber auch die Apps auf unseren Smartphones sind ein Paradebeispiel für Nudges, die uns durch die gesammelten Daten auf unser Verhalten hinweisen (Sport, Ernährung, etc.). Grundvoraussetzung, dass dies alles möglich ist, ist jedoch der stetige Zugang zu den einzelnen Nutzerdaten, womit viele eben nicht einverstanden sind und somit die Diskussion des Datenschutzes aufgeworfen wird.
Ist Nudging nun aber paternalistisch oder dient es dem Allgemeinwohl?
Nun, diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Einer der drei Grundsätze von Richard Thaler‘s „ethnischen Nudges“ sei, dass Nudges zum Wohlergehen der Gesellschaft beitragen müssen und  nicht paternalistischer Art sein sollen. Jedoch gerät gerade dieser Punkt häufig in die Kritik und wird häufig als „weicher Paternalismus“ bezeichnet. Allerdings muss beachtet werden, dass Nudging nach wie vor dem Individuum die Möglichkeit lässt sich frei zu entscheiden.
Meiner Meinung nach profitieren wir persönlich, als auch die Gesellschaft im Allgemeinen durch das Nudging, allerdings kann ich die Skepsis der vielen Kritiker auch verstehen und bin ebenfalls der Meinung, dass man mit dieser psychologischen „Manipulationsmethode“ auf jeden Fall kontrolliert umgehen sollte. Bis dahin ist es jedoch ein nützliches Werkzeug für unsere Gesellschaft und sollte weiterhin verwendet werden, solange es zum Wohl der Allgemeinheit ist.
  1. Jonas Schröder, Nudging – Was ist das? (veröffentlicht am 11.07.2016), „http://gedankennahrung.de/richard-thaler-nudging-was-ist-das/“, 13.11.2016
  2. Richard Thaler und Cass Sunstein: Improving decisions about health, wealth and happiness. 2008, ISBN 978-0-14-311526-7, Seite 6. ,16.11.2016
  3. Nudging goes Digital“https://www2.deloitte.com/de/de/pages/deloitte-analytics/articles/nudging-data-analytics.html“ , 17.11.2016
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